Man sieht ihr das Alter nicht an. Fast ein Jahrhundert lang lächelte die Frau vom Stamm der Blackfoot scheu die Besucher des Karl-May-Museums an.

Museumsgründer Patty Frank vor Blackfoot-Frau
Ihre Kleidung kommt wie auch ihr Volk aus Nordamerika. Doch ihr Zuhause ist die Villa Bärenfett.
16 dieser lebensgroßen Kostümfiguren tragen zum besonderen Erlebnis eines Besuchs im Karl-May-Museum bei. Statt nur mit abstrakter Aufbewahrung in Vitrinen stellen die Figuren uns ihre Lebenswelt persönlich vor.
Nach drei Jahren aufwändiger Restaurierung kehrte die beliebte Blackfoot-Frau nun am 22. August endlich zurück in die Villa Bärenfett.
Ihr erster Blick fiel auf niemand Geringeren als auf Gojko Mitić. Der berühmte „DDR-Chefindianer“ hatte bei einer Lesetour mit der Neuauflage des Romans „Die Söhne der großen Bärin“ höchstpersönlich um Spenden für die intensive Schönheitskur dieser faszinierenden Dame geworben.
Damit wurde ihm eine besondere Ehre zuteil. Die namenlose Frau der Schwarzfuß-Indianer erhielt im neuen Gewand nicht nur ihre Geltung zurück, sondern er gab ihr einen Namen und damit eine eigene Geschichte. Er begrüßte sie mit den Worten „Meine Frau!“.
Sitopanaki – „Deren Füße singen, wenn sie geht“.
Dieser Name könnte treffender nicht sein, denn Sitopanaki ist nicht irgendein Name. In dem berühmten Buch von Liselotte Welskopf-Henrich und dem gleichnamigen Film „Die Söhne der großen Bärin“ ist die junge Frau der Blackfoot (Schwarzfüße), die Schwester des Kriegers „Stark wie ein Hirsch“ und wird später die Frau des Lakota-Kriegers Tokei-ihto. Die Rolle eben dieses Tokei-ihto machte Gojko Mitić so berühmt, dass die Begeisterung für ihn bis heute anhält. 10 Millionen von 17 Millionen DDR-Bürgern sahen seinen Film, der dieses Jahr das 60. Jubiläum feiert. Der damals 26jährige Serbe war als durchtrainierter Frauenschwarm heiß begehrt. Doch selbst 60 Jahre später warten Hunderte geduldig auf ein Autogramm und ein Selfie mit ihm.
Den Beweis für die anhaltende Beliebtheit von Gojko Mitić spürte das Karl-May-Museum deutlich. Mit über 500 Besuchern war es so voll, dass die Gesprächsrunde um 16.00 Uhr zusätzlich per Livestream in die Villa Nscho-tschi übertragen wurde, damit alle Anwesenden einen Blick auf ihren Star erhaschen konnten.
Begrüßt wurde das Publikum vom Geschäftsführer des Karl-May-Museums Dr. Volkmar Kunze. Die Moderation übernahm Michael Kraus, der von 2018 bis 2020 auch mit Gojko Mitić auf Lesetour ging, um Spenden für die Restaurierung von Sitopanaki einzuwerben. Der wissenschaftliche Direktor des Karl-May-Museums, Robin Leipold, berichtete vom Ursprung der Kostümfigur, die zusammen mit einem Apachen-Krieger und einem Irokesen-Häuptling zu den ersten drei der schließlich 16 lebensecht gestalteten Kunstwerke gehört.
Der Kreis schloss sich dort, wo die Lesetour ihren Ursprung hatte und wir begegneten Tokei-ihto und Sitopanaki auf der Leinwand. Die Verfilmung des Romans „Die Söhne der großen Bärin“ von Liselotte Welskopf-Henrich machte Gojko Mitić zum Star und schenkte – wie Karl May es auch tat – Millionen von Menschen die Faszination für die Indianer Nordamerikas.
Auch wenn das Karl-May-Museum eigentlich einem anderen Schriftsteller gewidmet ist, gehört Liselotte Welskopf-Henrich als DDR-Autorin zu unserer ostdeutschen Kulturgeschichte. Wie Karl May – wenn auch mit einer ganz eigenen Handschrift – öffnete sie Millionen Lesern ein Tor zur Welt der Indianer Nordamerikas. Mit der Taufe Sitopanakis brachte Gojko Mitić nun diese beiden Erzählwelten zusammen.

















Aber auch Gojko Mitić gilt unser Dank! Gemeinsam mit Michael Kraus, der auch die Moderation des Abends übernimmt, und Dr. Frank Elstner vom Palisander-Verlag ging er zwischen 2018 und 2021 auf Lesetour, um Spenden einzusammeln. Insgesamt 2.250 € wurden von den beteiligten Sparkassen zur Verfügung gestellt. Auch dafür – Herzlichen Dank!


